Pressemitteilungen des Kreisverbandes
Linke BIR - Migrationsexperte: Integration ist machbar!
Diplom-Sozialpädagoge und Migrationsfachmann (Integrationsbeauftragter bei VG Kirn-Land) Hans-Joachim Kullmann zum Thema Migration.
Auf Einladung des Kreisverbandes Die Linke Birkenfeld referierte der Diplom-Sozialpädagoge und Migrationsfachmann Hans-Joachim Kullmann zum Thema Migration.
Er sagte, dass der Begriff „Migration“ missverständlich ist, da er von Wanderungsbewegungen ausgeht. Wie schon bei dem Begriff "Gastarbeiter" wird davon ausgegangen, dass Arbeitskräfte kommen und gehen, wie das Kapital sie gerade braucht. Wir haben es aber mit Zuwanderung (Immigration) zu tun, da die überwiegende Mehrzahl der Zuwanderer in Deutschland bleiben und sich in unsere Gesellschaft integrieren möchte. Das ist tatsächlich nichts Neues, da Deutschland schon immer ein Einwanderungsland war, zumindest über lange Zeiträume hinweg (Italiener, Türken, Polen, Deutsche aus Russland).
Dass Integration machbar sei, sehe man an den vielen Millionen Menschen, die seit 1945 in das alte Bundesgebiet einwanderten.
„70 Prozent der Zuwanderer wollen in Deutschland bleiben. Und die kann man auch nicht mehr vertreiben, weil wir ohne sie gar nicht mehr auskommen können. Sie sind billige Arbeitskräfte für das Kapital“, so Kullmann.
Kullmann: „Die Erwerbsquote liegt übrigens bei Menschen mit Migrationshintergrund um etwa 5% höher als bei denen ohne Migrationshintergrund. Das wird bei der Stimmungsmache gegen Ausländer von den Propagandisten gerne unterschlagen, da gleichzeitig ein höherer Prozentsatz von Bürgergeldempfängern bei Nichtdeutschen vorhanden ist. Der Grund dafür ist eben die noch nicht befriedigend vollzogene Integration bei Neubürgern z.B. durch mangelnde Sprachkenntnisse.“
Neben der Sprache (die Menschen müssen unbedingt Deutsch lernen und das Angebot muss verbessert werden) sieht Kullmann weitere Integrationshindernisse. Im Bereich Kitaplätze, Schule, Ausbildung, Arbeitsaufnahme müssen Hürden abgebaut werden. Und das deutsche Rechtssystem (auch ungeschriebene Gesetze) müsste zugewanderten Menschen wesentlich stärker vermittelt werden, damit sie sich in unserer Rechtsordnung auch zurechtfinden.
Kullmann: “Statt Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben haben wir im Land das Potenzial. Man muss den Leuten nur die Möglichkeit zur Ausbildung geben!“
Es sei auch ein Unding, dass aus dem SPD-geführten Rheinland-Pfalz ständig Menschen abgeschoben würden, auch gut integrierte, die sich in Ausbildung oder Arbeit befänden.
Rainer Böß, Kreisvorsitzender der Linken, ergänzt: „Dies zeigt, dass leider auch die Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz von einer inhumanen Praxis geprägt ist. Bei verhältnismäßig wenigen ausreisepflichtigen Personen finden überdurchschnittlich viele Abschiebungen statt, ohne dass vorab Bleibeperspektiven vernünftig geprüft werden. Dies ist eine inhumane Praxis, die dem Trend einer rechts ausgerichteten und die Menschenrechte aushöhlenden Asylpolitik auf Bundesebene folgt. Wir fordern, verpflichtende Prüfungen von Bleibeperspektiven einzuführen und perfide Praktiken wie nächtliche Abschiebungen oder Abschiebungen aus Schulen zu verbieten.“
RaB
